Kurzfassung
Die FIFA-Krise eskaliert: Jordaniens Verbandschef Prinz Ali bin al-Hussein wirft dem Weltverband vor, ausstehende Hilfe und Zahlungen faktisch mit politischer Unterstützung für Gianni Infantino verknüpft zu haben. Bewiesen ist der schwere Vorwurf nicht. Doch er trifft einen Präsidenten, dessen milliardenschwerer Investorendeal gerade zusammenbrach und dessen Vertraute öffentlich auf Distanz gehen. Während Jordanien auf Geld wartet, hat Infantino führende Mitarbeiter zu einer Krisensitzung nach Rabat gerufen.
Inhaltsverzeichnis
Gianni Infantinos FIFA steckt nicht mehr in einer Kommunikationskrise. Der Weltverband steckt in einer Machtkrise. Jetzt steht sogar der Vorwurf im Raum, finanzielle Hilfe sei mit politischer Gefolgschaft verknüpft worden.
Jordanien zündet den Erpressungsvorwurf
Prinz Ali bin al-Hussein, Chef des jordanischen Fußballverbandes, behauptet, ihm sei während der Weltmeisterschaft mündlich signalisiert worden, eine Unterstützung Infantinos könne seinem Verband bei ungelösten Problemen helfen.1reuters.com
Reuters dokumentiert den Vorwurf, die jordanischen Beschwerden und die zunächst ausstehende Reaktion des Weltverbandes. Ali nennt die gesamte Situation ausdrücklich „Erpressung“ und erklärt, Jordanien werde Infantino nicht unterstützen.2x.com
Prinz Ali veröffentlicht dort seine Vorwürfe und verweigert Gianni Infantino öffentlich die politische Unterstützung.
Das ist bislang eine schwere Anschuldigung, kein bewiesener Vorgang. Eine belastbare FIFA-Erwiderung lag in den geprüften Berichten zunächst nicht vor. Gerade deshalb muss jetzt offengelegt werden, wer wann was angeboten, verweigert oder miteinander verknüpft hat.
Ali nennt drei konkrete Belastungen: jordanische Fans mit teuren Tickets, die dennoch keine Einreisegenehmigung für die USA erhielten; zusätzliche US-Steuern für Spieler und Mitarbeiter; sowie ausstehendes Geld aus dem Arab Cup. Der Funktionär ist dabei kein politischer Anfänger. Er trat 2015 gegen Sepp Blatter und 2016 gegen Infantino zur FIFA-Wahl an.
Jordanien wartet nach Angaben des Verbandschefs außerdem seit Dezember auf Geld für den Einzug ins Finale des FIFA Arab Cups. Dass die Mannschaft das Endspiel erreichte und dort Marokko mit 2:3 nach Verlängerung unterlag, bestätigt die FIFA selbst.3fifa.com
Der offizielle Spielbericht bestätigt Jordaniens Finalteilnahme und die Niederlage gegen Marokko nach Verlängerung.
Der Milliardendeal zerlegt Infantinos Macht
Die Sprengkraft liegt im Kontrast: Ein kleiner Verband wartet auf Zahlungen, während die FIFA selbst hohe Reserven ausweist und deren Bedeutung für Risiken und Entwicklungsaufgaben betont.4inside.fifa.com
Der FIFA-Jahresbericht erläutert Umfang, Zweck und Bindung der zum Jahresende 2025 ausgewiesenen Reserven. Das beweist keine Erpressung. Es macht die ausstehende Klärung aber umso dringlicher.
Gleichzeitig scheiterte Infantinos Plan, rund 20 Prozent einer neuen Vermarktungseinheit an Investoren zu verkaufen und damit bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar einzunehmen.5reuters.com
Reuters beschreibt Volumen, Konstruktion, Widerstand und endgültigen Rückzug des umstrittenen FIFA-Investorenprojekts. Erst massiver Widerstand zwang die FIFA zum Rückzug. Wer den Weltfußball wie ein Anlageprodukt behandeln wollte, steht nun vor den Trümmern seiner eigenen Machtdemonstration.
Auch im Apparat bricht die Fassade. Generalsekretär Mattias Grafström beklagte intern eine traurige und tadelnswerte Ereigniskette, Arsène Wenger erklärte den Rückzug vom Projekt für absolut notwendig, und Berater Carlos Cordeiro trat zurück.6reuters.com
Der Bericht dokumentiert interne Kritik, Rücktritte und den wachsenden Widerstand gegen Infantinos Präsidentschaft.
Mehrere europäische Verbände haben ihre Unterstützung für Infantinos Wiederwahl bereits zurückgezogen. Der Präsident besitzt weiter Rückhalt in Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas. Doch seine einst scheinbar unangreifbare Mehrheit ist plötzlich keine Gewissheit mehr, sondern eine offene Rechenaufgabe.
Rabat wird zur Überlebenssitzung
Nun hat Infantino führende Mitarbeiter für Mittwoch nach Rabat gerufen. Sky Sports spricht ausdrücklich von einer Krisensitzung; ihr konkreter Ausgang war vor Beginn offen.7skysports.com
Sky Sports bestätigt Zeitpunkt, Ort und Teilnehmerkreis der kurzfristig angesetzten FIFA-Krisensitzung in Rabat.
Der Ort könnte symbolischer kaum sein: In Rabat findet im März 2027 auch der nächste Wahlkongress statt, bei dem Infantino erneut antreten will. Aus einem Krisentreffen wird damit zwangsläufig eine Machtprobe.
Infantino muss jetzt mehr liefern als Beschwichtigungen. Er muss erklären, ob Geld, Hilfe und Stimmen in seiner FIFA jemals in einen politischen Zusammenhang gestellt wurden. Bleibt diese Antwort aus, wird aus dem Erpressungsvorwurf kein Beweis – aber ein Brandbeschleuniger für eine Präsidentschaft, die sichtbar um ihre Autorität kämpft.
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